Fußerkrankungen

Prinzipiell gibt es bei der symptomatischen Spreizfußdeformität konservative oder operative Therapiemaßnahmen. Die Operationsindikation wird anhand definierter klinischer und röntgenologischer Kriterien sowie der geschilderten Beschwerdesymptomatik und der individuellen Anforderung an die Belastung des Fußes gestellt. Grundlage der konservativen Behandlung ist die Bettung des Vorfußes in einem Schuh mit ausreichender Vorfußbreite und -höhe. Neben der Unterstützung der Längs- und Querwölbung wird die Weichbettung der Mittelfußköpfe angestrebt, wobei dieses je nach Ausmaß der Deformität durch Einlagen oder orthopädisches Schuhwerk realisiert werden kann.

Ziel der Operation ist die Wiederherstellung der physiologischen Vorfußanatomie mit orthograder Ausrichtung der Zehen. Eine operative Korrektur des 1. Mittelfußstrahles zur Behandlung der Spreizfußdeformität unterhalb des Großzehengrundgelenkes stellt die Grundlage für den rekonstruktiven Eingriff dar. Geeignete Weichteilkorrekturmaßnahmen zur Bilanzierung der anatomischen Strukturen des Großzehengrundgelenkes sind unverzichtbare Bestandteile der operativen Maßnahmen.
Begleitende Verschleissveränderungen des Großzehengrundgelenkes können eine Indikation zur Gelenkversteifung darstellen.

Fußprobleme gehören zu den häufigsten Beschwerden der Menschen im Laufe des Lebens, wobei bereits im Neugeborenenalter behandlungsbedürftige Fußdeformitäten auftreten und im Erwachsenenalter vielfältige Probleme mit Überlastungen durch Arbeit, beim Sport und durch Fehlstellung der Großzehe, insb. dem Hallux valgus oder der Großzehensteife, dem Hallux rigidus im Vordergrund stehen. Zahlenmässig am häufigsten vertreten ist die häufig vererbte Veranlagung in Form des Hallux valgus, wobei es sich hier um ein leicht vergrößerten Großzehenballen mit Abweichung der Großzehe handelt. Der Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen ist etwas größer als normal, und die Großzehe biegt sich nach außen, wobei im Verlaufe knöcherne Anlagerungen am 1. Mittelfußköpfchen entstehen mit der Folge von Reizungen, Schwellungen und Schmerzen, vor allem auch bei der Abrollbewegung oder durch Druck im vorhandenen Schuh.

Mögliche operative Behandlungen bei geringen Fehlstellungen i.S. des Hallux valgus bestehen z.B. in der Operation nach Austen/Shevron, wobei jeder Knochen im Bereich des Metatarsale I-Köpfchens umgestellt und mit einer kleinen Schraube die knöcherne Durchtrennung in Korrekturstellung fixiert wird.
In der Regel müssen die Schrauben nicht entfernt werden, und nach der Operation muß ein sogenannter Therapieschuh für 4-6 Wochen getragen werden.

Bei einem stark vergrößerten Ballen mit erheblicher Abweichung der Großzehe mit einem entsprechend stark vergrösserten Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen steht der Großzehenballen sehr weit hervor. Nicht selten kann sich dabei die Großzehe über oder unter die 2. Zehe schieben und diese nach außen drängen. In der Folge entstehen Schmerzen, Schwellungen sowie auch Hornhautbildungen an den fehlbelasteten Stellen, die durch entsprechend enges Schuhwerk noch verstärkt werden.

   

Mögliche operative Behandlungen bestehen hier in einer sogenannten Basiskeilosteotomie somit auch in Form einer Umstellungsoperation am Köpfchen des 1. Mittelfußknochens. Entscheidend wichtig ist, dass bei übernormaler Beweglichkeit im Gelenk zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel eine Versteifung zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel in korrigierter Stellung durchgeführt werden muß (Arthrodese nach Lapidus). Hierbei werden kleine Metallplatten sowie Schrauben und Drähte implantiert, wobei diese Osteosynthesematerialien meist nach 1 Jahr wieder entfernt werden. Im Falle einer derartigen Operation bedarf es einer Gipsruhigstellung sowie einer kompletten Entlastung des Vorfusses über einen Zeitraum von 4-6 Wochen. In der Regel ist die volle Belastbarkeit nach 8-12 Wochen wieder gegeben.

Bei einer Gelenkversteifung i.S. eines Hallux rigidus, als einer fortgeschrittenen Arthrose des Großzehengrundgelenkes, ist das moderne Verfahren die Gelenkversteifung, wobei diese durch die Einführung der modernen Osteosynthesematerialien mittels Schrauben und Platten durchgeführt wird. Da hiernach eine knöcherne Versteifung abgewartet werden muß, besteht vorübergehend nun die Notwendigkeit einer besonderen Schuhversorgung.

Welche Operation in Ihren speziellen Fall durchzuführen ist, ist von der jeweiligen speziellen Untersuchung, der Anamnese sowie der röntgenologisch erhobenen Daten abhängig.

Bei den Zehendeformitäten im Bereich der Kleinzehe ist vor allem der Schneiderballen (der verdickte Kleinzehenballen) herauszuheben. Wobei es hier ähnlich wie an der Großzehe auch am 5. Mittelfußstrahl zu einer weiten Abspreizung kommt. Es bildet sich dort eine schmerzhafte Schwiele am Köpfchen des 5. Mittelfußknochens, welche jeweils Drucksymptome im vorhandenen Schuh macht.

Die operative Behandlung besteht hierbei in einer Umstellung des Knochens im Köpfchenbereich und in der entsprechenden Abtragung der knöchernen Verdickung. Operationstechnisch wird das 5. Mittelfußköpfchen näher an das 4. herangebracht. Auch hiernach ist eine Therapieschuhversorgung über einen Zeitraum von 4-6 Wochen notwendig.

Eine weitere anlagebedingte oder erworbene Störung des Muskelgleichgewichts geht mit einer Verkrümmung einer oder mehreren kleinen Zehen einher, wobei das Mittelgelenk nach oben und das Endgelenk steil nach unten steht und somit eine Druckschwiele (Hühnerauge) sowie Druckstellen an verschiedenen Stellen des Zehs oder des Mittelfußes in der Folge entstehen können.
Die operativen Korrekturmechanismen bestehen in der Durchtrennung von verkürzten Sehnen bzw. der Verlängerung von Sehne und Gelenkkapseln sowie manchmal in der Entfernung eines Teils des Mittelgelenkes. Postop. wird hierbei meistens eine Drahtstabilisierung durchgeführt und ein Spezialschuh für max. 3 Wochen getragen. Bei der fixierten Hammerzehe wird ein Teil des Mittelgelenkes entfernt, so dass die Zehe gestreckt werden kann und die knöcherne Lücke sich mit Bindegewebe füllt. Eine Sehnenverlagerung kann notwendig werden. Ebenso erfolgt hier eine temporäre Drahtstabilisierung.
Postoperativ ist eine frühfunktionelle Behandlung mit sofortiger Belastung des Fußes möglich, allerdings müssen Nachbehandlungsmaßnahmen, wie redressierende Verbände, Krankengymnastik durchgeführt werden, um das intraoperativ erreichte Korrekturergebnis zu erhalten. Die operative Korrektur einer fortgeschrittenen Spreizfußdeformität mit Zehenfehlstellung stellt einen komplexen und anspruchsvollen Eingriff dar, so dass Weichteilschwellungen und behandlungsbedürftige Bewegungseinschränkungen sowie das mehrwöchige Tragen eines Therapieschuhs vor einer Operation ausführlich erläutert und in den entscheidenden Prozess mit einbezogen werden.